Gluten und ATI

Etwa ein Prozent der Bevölkerung leiden an einer Unverträglichkeit gegen das Kleber-Eiweiß Gluten, das in Getreiden wie Weizen, Dinkel, Roggen, Hafer und deren Vorfahren enthalten ist. Die Erkrankung heißt bei Kindern „Zöliakie“, bei Erwachsenen „Sprue“. Die einzige derzeit bekannte Therapie, um schwere Darmstörungen bis hin zu bösartigen Tumoren zu vermeiden, ist ein vollständiger Verzicht auf Produkte aus diesen Getreiden.

Daneben gibt es aber in den letzten Jahren immer mehr Menschen, die auf Getreideprodukte mit schweren Symptomen reagieren, ohne an Zöliakie erkrankt zu sein. Lange wurden bei diesen Patienten ein Reizdarm diagnostiziert.

Forschungen an der Universität Mainz haben Interessantes ans Licht gebracht: moderne Hochleistungsgetreide enthalten ein bisher unbekanntes Eiweißmolekül, das ATI  (dt. Adenosin Triphosphat Amylase bzw. engl. Amylase Trypsin Inhibitors). Es scheint den Getreidepflanzen zu helfen, sich gegen Schadinsekten zu schützen.

Siehe hierzu ein Interview mit Professor Schuppan zu ATI und Gluten .

Auszüge aus dem Interview:

Lebensmittel aus Getreide sind für Zöliakie (bzw. Sprue) Patienten  tabu. Doch weshalb bereitet der Stoff dann auch Menschen Probleme, die nicht an Zöliakie leiden? Der Darm dieser Menschen ist vollkommen intakt, die Darmzotten sind nicht beschädigt.

„dann kam die große Überraschung, dass das Gluten selber nicht für diese Aktivität verantwortlich ist, sondern ein Beistoff, und dieser Beistoff war eine ganz neue Substanzklasse, ein ganz neues Protein. Und erstaunlicherweise hat dieses Protein gar nichts damit zu tun, was das Gluten macht, sondern hat eine ganz spezielle Funktion. Und wir waren erstaunt, dass es sich dabei um Proteine handelt, die die Abwehrkräfte dieser Getreidesorten und des Weizens erhöhen.  (ATI) . “

„Diese Stoffe wurden gezielt in die modernen Hochleistungsgetreide hineingezüchtet.“

„Diese Stoffe erklären letztlich auch, warum es heutzutage mehr dieser sogenannten Glutenunverträglichkeiten gibt – weil es offensichtlich mehr von diesen Substanzen gibt in den neuen Sorten, durch Kreuzung, durch Züchtung.“

„Wir wissen, dass wir mit den neuen Sorten einen hohen Ertrag haben, aber eben auch Nachteile erkaufen, und es ist durchaus denkbar, dass wir doch wieder zu den alten Sorten zurückkommen, die geringere Erträge haben, aber dafür einen höheren Nährwert und weniger von den Substanzen wie den ATIs.“

Zum Glück gibt es ja heute noch (oder wieder) die alten Sorten zu kaufen, wie das Waldstaudenkorm (Johannisroggen, Ur-Roggen, Secale multicaule) und auch Einkorn, Kamut, Oberkulmer Rotkorn, die seit tausenden Jahren unverändert sind und an die sich der Mensch im Laufe der Jahrtausende gewöhnen konnte.

 

 

 

 

Kommentare (3)

  1. ATI heißt auf deutsch „Amylase/Trypsin-Hemmer“, und nicht „Adenosintriphosphat-Amylase“…das ist mit Verlaub eine ziemlich unsinnige Wortschöpfung.

    • Der Begriff kommt auf ziemlich vielen Websites vor, selbst wenn das selbstredend keine besonders brauchbare Wortwahl ist. Vielleicht weiß jemand anderes, ob der Ausdruck so vom Urheber (Prof. Schuppan) verwendet wurde?

    • Ja genau! Hab ich während der Sendung auch gedacht…
      Aber es hat halt nicht jeder Mediziner die exakten chemischen Voraussetzungen wie Ernährungswissenschaftler/Lebensmittelchemiker!!!
      Da gilt eben manchmal das Motto: „Si tacuisses philosophus mansisses…Aber Hauptsache die finden was zum Testen
      bzw. zur Erleichterung für uns Betroffene! Ich fand die Ursache meiner Probleme nach langen Auslass-und Provokationsversuchen selbst heraus,
      da ich auch nicht an den richtigen Arzt kam… Aber für die Zukunft kanns nur besser werden… Leider haben heute sicher nicht viele Ärzte das Mittagsmagazin geschaut…
      Wer schreibt mal den richtigen Artikel in den medizinischen Fachzeitschriften bzw. Apothekenmagazinen?? Freiwillige an den Computer!!!

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